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Filmische Begegnung mit “Tommy” im Holocaust-Gedenkprojekt

Tommy Projekt 2020„Das ist kein Märchen, das ist die Wahrheit.“. So lautet der einleitende Satz zu Beginn des Bilderbuches, das der jüdische Zeichner Bedrich Fritta im Ghetto Theresienstadt kurz vor Ende des 2. Weltkrieges für seinen kleinen Sohn Tommy heimlich, von abgezweigtem Papier und Farben, angefertigt hat. Mit diesem farbenprächtigen Buch wollte er seinem damals dreijährigen Sohn Tommy nahebringen, wie wunderbar und märchenhaft das Leben in Freiheit außerhalb der Grausamkeit und Entbehrungen des Ghettos sein kann. Auch Perspektiven für die Zukunft des Sohnes wollte er ihm aufzeigen, indem er fröhliche Bilder zu verschiedenen Berufen malte, abgesehen von den im Ghetto allgegenwärtigen Soldaten. Bedrich Fritta wurde kurz vor Befreiung des Ghettos mit anderen Malerkollegen in Auschwitz ermordet, sein Buch für Tommy aber konnte er vor seinem Abtransport noch vergraben. Tommy überlebte, wurde von Freunden der Eltern adoptiert und erhielt das kostbare Buch zu seinem 18. Geburtstag.

Die Schülerinnen und Schüler der Klassen 6 des Stein kennen die phantasievollen Bilder aus Tommys Buch ganz genau – sie haben sich im Rahmen des „Tommy-Projektes“ am Holocaust-Gedenktag intensiv mit dem Kinderbuch und dem Thema Ghetto und Vernichtung von Millionen von Juden im Nationalsozialismus auseinandergesetzt.

Jetzt sind sie „Tommy“, dem erwachsenen Thomas Haas, erstmals im Film begegnet. Der Dokumentarfilm „Das ist kein Märchen, das ist die Wahrheit“ wurde 1988 von der Münsteraner Regisseurin Angelika Kettelhack gedreht. Thomas Haas wird als nachdenklicher, aber glücklicher Familienvater porträtiert, der mit seinen 4 Kindern in den USA, Israel und Deutschland gelebt hat, verschiedene Berufe ergriffen hat, und für den Freiheit ein unabdingbarer Wert geworden ist. Auch das Judentum praktiziert er ganz bewusst. Seine Heimat ist Mannheim geworden, wo er zuletzt als Sprachlehrer und Bibliothekar in der Stadtbücherei arbeitete.

Für die Schülerinnen und Schüler war es interessant, im Film die vielen Parallelen des Lebenswegs von Thomas Haas zu den ihnen so vertraut gewordenen Bildern im Kinderbuch „Für Tommy“ festzustellen: So ist Thomas Haas offenbar über die Jahre vielen Empfehlungen seines Vaters gefolgt, er hat verschiedene Berufe ergriffen, die ihm sein Vater vorgeschlagen hat, er hat die Kontinente bereist, ist sich der Schönheiten des Lebens bewusst und lebt nun mit seinen Kindern und seiner Frau ein glückliches Leben in Freiheit. Seine Söhne Daniel und David tragen den Erinnerungsschatz ihres Vaters weiter.

Der Film war eine eindrucksvolle Bereicherung des diesjährigen Tommy-Projektes und ermöglicht auch in Zukunft den Schülerinnen und Schülern eine filmische Begegnung mit Zeitzeugen, die das Leben im Ghetto aus eigener Anschauung schildern, sowie mit dem erwachsenen „Tommy“, Thomas Haas, der leider 1995 verstorben ist, und seiner Familie.

Julia Kochinke

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